Operation Kanzlersturz
Er kann es nicht, und er wird es wohl auch nicht mehr lernen: So redet man in der CDU über Friedrich Merz. Wie mächtige Leute in der Partei seine Ablösung planen.
Es gibt in der Politik diese Momente, in denen man merkt, dass Dinge ins Rutschen geraten. Oder sollen sie ins Rutschen gebracht werden? Gerade weiß man das nicht mehr so genau. Aber man merkt, dass die Gespräche anders verlaufen als normalerweise.
Vertrauensfrage, Neuwahlen, Kanzlersturz, das sind Worte, an die man sich gewöhnt hat im politischen Berlin. Man hat sich daran gewöhnt, dass es immer weniger Gespräche gibt, in denen der Bundeskanzler verteidigt wird, aus denen Zuversicht spricht, dass diese Regierung es noch schaffen kann. Seit den Wahlen in Sachsen-Anhalt hört man eigentlich gar keine Verteidigung mehr.
Fassungslos schaut die CDU dem Autoritätsverlust ihres Kanzlers zu. Eine Kabinettsumbildung, die einen Neustart bringen sollte, aber einem Auffahrunfall glich. Eine Wirtschaftsministerin, die bei dieser Kabinettsumbildung verschont wird und sich zum Dank dafür offen gegen den Regierungskurs stellt.
Ein Kanzler, der sich nach dem desaströsen Ergebnis seiner Partei in Sachsen-Anhalt erschüttert zeigt, den Moment aber dadurch versemmelt, dass er die Schuld dann doch bei einem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden ablädt, der dem Spitzenkandidaten in den Rücken gefallen sei. Was den öffentlich Gedissten nicht davon abhält, wenige Stunden später seine Kandidatur als Landeschef in Sachsen-Anhalt zu verkünden. Eine stellvertretende Generalsekretärin (!), die sich vom Kanzler nur unter Aufbietung all seiner Kräfte aus dem Amt entfernen lässt. Seit Neuestem: eine Fraktion, die den Rauswurf der Arbeitsministerin fordert und mit Nichtzustimmung zum Haushalt droht.
Seit Wochen werden in vertraulichen Gesprächen Planspiele gemacht
Was sagt all das über die Autorität des Kanzlers? Inzwischen kann man in der CDU eigentlich fragen, wen man will, die Antwort in solchen Gesprächen ist sinngemäß die gleiche: Schweigen. Seufzen. Dann: »Die Frage beantwortet sich von selbst.«
»Es gibt keine Autorität mehr.« »Er kann es nicht.« Und: »Er wird es wohl auch nicht mehr lernen.«
So sprechen nicht Journalisten in Kommentaren, sondern CDU-Politiker über einen CDU‑Kanzler. Und zwar solche CDU-Politiker, die über sein Schicksal mitentscheiden.
SPOILER
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https://www.zeit.de/polit(...)kanzler-landtagswahl
Wait for the ricochet.Ein Besonderes unter den Besten.